10 Fragen an
Thomas Schwab

1) HOFA-Training: Hallo Thomas! Du bist mit deiner Christmas Moments Tour seit Jahren eine feste Größe im deutschen Show-Biz. Erzähl uns doch mal von deinem musikalischen Werdegang.
TS: Für mich stand relativ früh fest, dass ich Musik uneingeschränkt machen möchte. Nach Jahren in Schulbands und ersten Bandprojekten habe ich mit 17 angefangen mein erstes Musical zu schreiben. Das war der Zeitpunkt mit dem alles begann! 1996 haben wir es dann, zusammen mit 50 Mitwirkenden uraufgeführt. „Flori – und Träume werden Wirklichkeit“ war eine total aufregende Zeit. Mit quasi null Erfahrung und Ahnung haben wir das Stück bis 1998 aufgeführt, zuletzt im Sommer 1998 vor 6.000 Zuschauern im Rhein Main Theater in Niedernhausen. Danach entstand die Idee der „Christmas Moments“ und seitdem machen wir Konzerte und Shows.
2) HOFA-Training: Du hast ja schon einige Studioproduktionen hinter dir – wie bereitest du dich auf eine solche Produktion vor? Welche Arbeitsschritte müssen vor dem Studiobesuch durchlaufen werden?
TS: Hinter mir liegen nun 9 CD - und 3 Single - Produktionen, und einige Song-Produktionen. Ich bin niemand der sich 110% vorbereitet. Klar weiß man was passieren wird, was zu tun ist aber ich vertraue immer noch auf die Kreativität, auf die Gunst der Stunde, auf den besonderen Spirit. Gute Vorbereitung gepaart mit guten Momenten im Studio machen das Ergebnis aus.
3) HOFA-Training: Was ist dir als Musiker und Produzent in einem Studio wichtig –außer Technik und Räumen?
TS: Man kann die besten Geräte kaufen und die besten Räume bauen – wenn der Groove untereinander nicht stimmt, das Klima, das Miteinander und der kreative Austausch nicht stattfindet, dann stimmt das Ergebnis nicht.
4) HOFA-Training: Was hältst du für die wichtigsten Eigenschaften eines Toningenieurs?
TS: Perfekter Einsatz der richtigen Tools im richtigen Moment, Erfahrung, Musikalität, Flexibilität, Einfühlungsvermögen, starke Nerven, Ausdauer bei langen Sessions und natürlich Humor. Uih, das sind ziemlich viele Eigenschaften. :-)
5) HOFA-Training: Als Komponist und Arrangeur arbeitest du sicher auch Zuhause mit einem digitalen Setup – was verwendest du da?
TS: Ich bin in dieser Beziehung sehr bescheiden, da ich kein „Sound-Tüftler“ bin. Für eine Komposition oder Vorproduktion versuche ich auf dem schnellsten Weg, das beste Ergebnis zu erzielen. Ich habe - neben Synthis - das MP8, mit dem ich alle Piano Parts spiele und arbeite mit Logic und PlugIns.
6) HOFA-Training: Wie viele Spuren und Ideen der Vorproduktion schaffen es bei dir normalerweise in die Endfassung der Songs?
TS: Ich kann einen Song im Kopf ganz gut zusammenbauen. Das Ergebnis klingt meistens so wie ich es mir mental zusammengeschustert habe. Da ich das Glück habe immer mit meiner Band ins Studio zu gehen, ist die Anzahl der Spuren von meiner Seite aus stark begrenzt. Die Midi-Spuren mache ich hier zu Hause in der Regel fertig. Drums - , Bass - , Guit - und Sax - Parts checken wir in den Proben vor der Studio Session. Die Vocals werden hier und da vorproduziert um schon genauere Vorstellungen zu bekommen.
7) HOFA-Training:Wenn du im Studio bist – welchen Ablauf bevorzugst du beim Recording bzw. Mischen?
TS: Nach jedem Part werden die Recordings editiert, das heißt bevor der nächste kommt, ist alles sauber in der Reihe. So vermeiden wir Risse im Fundament. Drums und Bass recorden wir zusammen, dann die Gitarren, Keys und klar, wenn das Playback halbwegs steht, kommen dann die Vocals.
Beim Mischen stoße ich erst in der Regel dazu, wenn die Mixes so gut wie fertig sind. Durch die lange Zusammenarbeit mit Jochen Sachse klären sich viele Soundfragen von alleine oder stellen sich erst gar nicht. Ich habe das Vergnügen dann dazu zukommen, wenn es schon amtlich klingt :-).
8) HOFA-Training:Was hältst du von modernen Tools wie Intonationskorrekturen a lá Melodyne oder Drum-Triggering?
TS: Die Hörgewohnheiten haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Vieles klingt high end, lupenrein. Es gibt eine Generation die mit astreinem Sound auswächst. Das ist bemerkenswert. Und klar, es gibt Möglichkeiten die Qualität des Sounds zu steigern, das nutzen wir auch. Allerdings steigert das nicht die Qualität der Songs als solche, und das ist auch gut so.
9) HOFA-Training: Du spielst viel live – wie „livekompatibel“ sollte deiner Meinung nach eine Studioproduktion sein?
TS: Da drüber machen wir uns auch immer Gedanken. Ich möchte keine Produktionen machen die wir live nicht umsetzen können, obwohl es oft verlockend ist noch ein Pfund im Studio drauf zupacken. Klar kommen wir manchmal an die Grenzen des Umsetzbaren, z.B. wenn wir einen 20 - köpfigen Chor gebaut haben und live nur mit 6 Sängern auftreten. Aber alles in allem klingt es live so, wie die Leute es auf der CD zu Hause dann hören werden.
10) HOFA-Training: Wie schätzt du die Zukunft der Musikbranche ein – gerade im Bezug auf den „Kampf“ zwischen CDs und (illegalen) Downloads? Und auch die Live-Branche scheint sich zu ändern – bekommst du davon auch etwas mit?
TS: Ich glaube, die Entwicklung, Musik nur noch als Daten zu konsumieren, ist nicht mehr aufzuhalten. Das hängt natürlich auch stark mit dem heutigen Lifestyle der Leute zusammen. Die ganze CD Sammlung auf einem Player zu haben, immer und überall, ist Gegenwart und Zukunft. Ähnlich wird es den Büchern wohl auch ergehen.
Leider verliert Musik dadurch an Wertigkeit. Die Vorstellung eine Schallplatte oder eine CD in den Händen zu halten, diese gekauft zu haben und zu Hause zu hören, das Booklet zu lesen, klingt für viele wohl schon fast nostalgisch.
Musik bedeutet für viele nur noch eine gewaltige Masse an mp3s auf randvollen Festplatten zu besitzen. Und da verliert es sich auch schnell mit der Ehrlichkeit vieler, da viele keine Wertschätzung einer mp3, einer Datei entgegen bringen.
Das Live Erlebnis ist und bleibt eine feste Größe. Das ist das was die Menschen immer erleben möchten, das gemeinsame Erlebnis, Erinnerungen mit nach Hause nehmen. Konzerte bringen Menschen zusammen, das wird sich nie ändern. Konzerte sind ehrlich.